Wie alles begann...

Meine ersten, noch neutralen, Erfahrungen liegen schon einige Jahre zurück. Mein Opa, mütterlicher seits, war es, der eine Hobbyzucht von Perserkatzen hatte. Damals sah ich die Katzen allerhöchstens als komische Pelztiere an. Ich hatte keinen Bezug zu den Katzen.

Einige Zeit später; wir hatten damals einen Wohnwagen in der Lüneburger Heide, machte ich weitere Erfahrungen mit diesen komischen Fellmonstern. Es war Samson, ebenfalls ein Perser, eigentlich sterile berliner Wohnungskatze. Auf dem Campingplatz durfte der Kater allerdings raus. Ich fand anfangs nur den Namen witzig, einen richtigen Bezug zu ihm konnte ich auch zu dieser Zeit noch nicht aufbauen.

Katzen waren für mich bestenfalls mäusefressende Zeitgenossen, die gegen die Natur auf ein müffelndes Katzenklo gehen und Whiskas fressen.

 

Ein traumatisches Ereignis sollte viele Jahre später meine doch eher mangelhafte Meinung zu diesen liebenswerten Freunden ändern. Ich hatte gerade meine Ausbildung abgeschlossen, arbeitete im Aussendienst des größten privaten Krankenversicheres. Eines Abends sitze ich nun im Wohnzimmer, um eine Kundin zu beraten. Plötzlich sah ich einen Kater, so wie ich ihn vorher noch nie gesehen habe. Damit meine ich nicht unbedingt sein äußeres Erscheinungsbild. Vielmehr ist mir die Eleganz, der Stolz und der bernsteinfabene, durchstechende Blick dieses Tieres aufgefallen.

Es war ein echter Chartreux, wohl leicht zu verwechseln mit blauen Britisch-Kurzhaar aber dieses Exemplar war echt. Für mich sah es einfach aus wie ein großer, pompös wirkender dunkelgrauer Kater mit Blaustich. Dieses Tier sollte mich die folgenden Jahre nicht mehr loslassen. Ich fing an mich über Katzen zu informieren. Lange habe ich nicht gebraucht, um die richtige Rasse zu finden. Es sollte sowas sein wie ein Karthäuser-Kater, nur nicht in blau.

Auch die Frage des Charakters und der leidigen Diskussion um Einzelhalten sollten geklärt werden. Über den letzteren Punkt zerbreche ich mir heute noch den Kopf.

Im Mai 2003 wusste ich dann was es werden soll. Ein British Shorthair tabby-classic. Übersetzt: Britisch Kurzhaar in der gestromten Tabbyzeichnung. Jawohl, es gab einen Unterschied zwischen getigert und gestromt. Und "mackerel" gab es ja auch noch, aber sehr schwer zu kriegen. Es hieß immer "Das ist keine Zeichnung, die Züchter haben wollen". Daher classic. Meine Eltern hingegen waren anderer Meinung. Dieses Kringel würden stören, nervös wirken. Ich war mir dann selbst nicht mehr sicher. Je länger die Diskussionen andauerten, desto sicherer wurde ich mir dann allerdings doch. Es sollte nun spotted sein, also getupft. Sicher war ich mir auch, wie der kleine heißen soll: Samson.

Es kam jedoch anders. Lange habe ich gebraucht, um einen Züchter zu finden, der in der näheren Umgebung wohnt. Lange habe ich auch dazu gebraucht den ersten Schritt zu machen, der dann ziemlich schnell ging. Bei Zooplus habe ich mir bei einer geistigen Kurzschlussreaktion die nötigen Startutensilien, wie Katzenklo, Transportkorb usw., gekauft. Es gab also kein zurück mehr.

Ende 2003 besuchte ich zum ersten Mal die Cattery "Vom Königsglacis". Es war mein erster direkter Kontakt zu BKH-Katzen. Und ich war nicht nur erstaunt sondern regelrecht verblüfft. Wie neugierig die doch alle waren. Und das Fell. Richtige Teddybären waren das. Ich hatte mich vor diesem Besuch eingehend darüber informiert worauf ich achten muss. Denn auch unter den Katzenzüchtern gibt es schwarze Schafe. Ein sehr schönes Tier - der Deckkater wie mir erzählt wurde - ist mir schon nach einigen Sekunden aufgefallen. Kid oder "Busiba´s Silver Escorial".Ein getupftes Exemplar dieser witzigen Schmusebären. Die Zeichung paßte also gut in meinen Plan. Er war auch schon eifrig mit der Fortpflanzung beschäftigt, zu dieser Zeit mit Anita vom Königsglacis, eine sanfte, unscheinbare weibliche Vertretung dieser Art. Allerdings in tabby-classic (classic sollte es ja anfangs sein...).

Am 23.01.2004 war es dann soweit: Nachwuchs. Leider kein Kater mit getupften tabby-Muster. Anstatt traurig zu sein war ich eigentlich froh, denn es gab ein Katerchen in tabby-classic, allerdings mit Stammbaum:

Nach ca. 4 Wochen durfte ich endlich einen Besuch abstatten. Die Zeit bis dahin verging langsam. Es gingen mir schon einige Fragen durch den Kopf. Ob er mir gefällt? Wie sieht er aus? Was macht der für einen Eindruck.

Es war ein guter Eindruck. Ein sehr guter. Auf dem Tisch vor mir hockte ein winziges, etwas ängstliches Würmchen Namens Hugo. Komischer Name dachte ich anfangs, aber schließlich war es der H-Wurf und ein Name mit H musste her. Eigentlich war mir sofort klar, dass Hugo bei mir einziehen soll. Ich überlegte noch ein paar Sekunden und fragte dann, ob ich ihn haben darf, bzw. kaufen darf.

Die Züchterin hatte sich die Entscheidung wohl auch länger überlegen müssen, da Hugo der erste Kater sein sollte, der in Einzelhaltung geht. Zu diesem Thema werde ich noch ausführlich berichten.

Die nächsten Wochen, Tage und Stunden waren sehr lang. Ich stellte mir während der Zeit vor was alles passieren könnte. Wird er das Katzenklo benutzen? Werde ich ihn anfassen können oder wird er womöglich verängstigt irgendwo hocken und tageland nicht zum Vorschein kommen. Wie sich später herausstellen sollte, waren so ziemlich alle Bedenken unnötig. Da mir die Zeit dann doch zu lange geworden war, habe ich Hugo erneut in seinem ersten Zuhause besucht.

Am 23.04.2004 - Hugo war mittlerweile gut 12 Wochen alt - war es dann soweit. Mit einem ungewohnten Gefühl hatte ich mich - den Transportkorb im Gepäck - auf den Weg gemacht. Ich konnte es noch nicht ganz realisieren, dass nun der Tag gekommen ist, an dem ich Hugo mit nach Hause nehmen durfte - oder "sollte"?! Der Besuch verlief relativ kurz, denn Hugo war so ein witziges Kerlchen geworden, dass es meiner Züchterin merklich schwer viel die Tür des Transportkorbs zu schließen. Es hat nicht lange gedauert bis meine Ohren auf der Rückfahrt von einem ängstlichen Rufen getroffen wurden. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass sich Katzen mit ihren Menschen immer in der Kindersprache unterhalten, also so, wie sie auch mit der Mutter-Katze kommunizieren. Für mich war es jedenfalls neu und spätestens - zu Hause angekommen - beinahe unerträglich. Aber Hugo sollte als erstes den Platz seines Katzenklos kennenlernen:

Ich hatte den Hugo an einem Freitag abgeholt und bis Mittwoch Urlaub genommen. Allerdings hatte ich mir die Eingewöhnung nicht so tragisch vorgestellt. Nein, er hat sich nirgendwo verkrochen - im Gegenteil. Er hat auch nicht vor Angst neben sein Katzenklo gemacht. Es war dieses Gepiepse, das mit durch die Knochen ging. Ich hatte ernsthaft darüber nachgedacht ihn wieder zurückzubringen, falls sich das nicht ändern würde.

Allerdings wurde ich telefonisch von meiner Züchterin gut ermutigt und Hugo hat sich dann auch schnell eingewöhnt.

Mittlerweile wohnt Hugo schon einige Monate bei mir und er ist der wichtigste Fellfreund in meinem Leben geworden. Vom Verhalten ist er eigentlich kein Kater. Eher eine Mischung aus Katze, Hund und Affe.

Und schon jetzt steht für mich fest:

Von dem Tag an, an dem Hugo über die Regenbogenbrücke gehen muss, wird es keine neue Katze geben.

Danke Hugo, dass Du da bist!